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Bomlitz war immer ein besonderer Industriestandort

10/2016 - Zum Jahresende darf der Historiker Thorsten Neubert-Preine mit Erlaubnis von DOW noch einmal Führungen durch die Ausstellung "200 Jahre Industriegeschichte in Bomlitz" anbieten. Das Interesse ist nach wie vor groß. Zum Oktober-Termin fanden sich rund vierzig Gäste ein, die mit Neubert-Preine anhand von Originaldokumenten, Exponaten und sogar einem Film aus den 1940er Jahren eine Reise in die Vergangenheit des Standorts machten. Das FORUM wird im November und Dezember weitere Führungen anbieten.

Walsroder Zeitung vom 24.10.2016: Wandlungsfähigkeit eines Industriestandorts. Führung durch Dow Wolff-Geschichte.

Bereits im Jahr 2015 konnte der Industriepark Walsrode in Bomlitz auf 200 Jahre Standortgeschichte zurückblicken. Das Interesse an der untrennbar mit dem Ort und seiner baulichen sowie sozialen Strukturen verbundenen Entwicklung ist ungebrochen – dies zeigte eine gut besuchte Führung des Historikers Thorsten Neubert-Preine durch die Ausstellung „200 Jahre Wolff in Bomlitz“ in der Alten Verwaltung des Industrieparks. Organisiert wurde die Veranstaltung durch den Verein Forum Bomlitz.

Eine nachvollziehbar strukturierte Zusammenfassung lieferte Neubert-Preine anhand der Führung durch die insgesamt chronologisch ausgerichtete Ausstellung, die jedoch in jedem Stadium einen weiten Blick auf die zunehmende Diversifizierung der Produkte und Leistungen des heutigen Industrieparks gewährte.

Nach der Gründung im Jahr 1815 entwickelte sich zunächst der Mühlenbetrieb erfolgreich und lieferte in den 1840er Jahren nahezu den gesamten Schwarzpulverbedarf der Königlich-Hannoverschen Armee. Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen kam es 1866 zu einem schweren Einbruch des deutschen Absatzmarktes. Dank der Exportstärke erholte sich das Unternehmen wieder.

Nach der Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft unter dem Namen Wolff & Co. vor 140 Jahren begann die Firma, sich breiter aufzustellen. „Wolff & Co“ ist für viele Alt-Bomlitzer zu einem Synonym für den Industriepark insgesamt geworden – und bis heute geblieben.

Die Einführung der Schießbaumwollproduktion im Jahr 1878 führte zu einer breiten Diversifizierung des Produktportfolios, ist sie doch der Ursprung der heute weitverzweigten Zellulosechemie, die die Entwicklung des Standorts maßgeblich prägt. Ohne dieses Standbein hätten das Ende des Ersten Weltkrieges sowie die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg das „Aus“ des Bomlitzer Unternehmens bedeuten können.

Durch die aber bereits etablierten Grundstrukturen der Zellulosechemie war es möglich, rasch von einer auf die Erfordernisse des Krieges ausgerichteten Produktion auf eine Friedensproduktion umzustellen und einen neuen Produktions- und Forschungsschwerpunkt auf- und auszubauen, in dem Folie und Kunstdarm eine herausgehobene Rolle spielten.

Die Ausstellungsführung in der Alten Verwaltung war nicht nur thematisch, sondern auch äußerlich durch das Gebäude sinnstiftend verortet, befindet sich doch das Werksgelände historisch gewachsen in der Mitte zwischen den Hauptorten Bomlitz und Benefeld. Im Gegensatz zu einer Reihe anderer Standorte hat das Werk den Siedlungsort hervorgebracht – nicht umgekehrt.

Damit hat die Gemeinde Bomlitz bis heute nicht nur eine funktional ausgerichtete Raumordnung, sondern auch – im Ortskern – eine mit dem Industriepark gewachsene Architektur und Soziologie. Auch deshalb konnten viele Besucher manche Information und Erinnerung aus ihrer Tätigkeit bei Wolff beisteuern. So sprach ein Besucher von einer biologisch sich selbst auflösenden Folie – ein Produkt, von dem er früher im betrieblichen Vorschlagswesen nur träumen konnte.

Diese Folie ist heute Realität. Eine weitere interessante Anekdote kam von dem Historiker Neubert-Preine selbst: Er zitierte aus „Don Camillo und Peppone“ und zeigte, wie die bei Wolff früher hergestellte Jagdmunition in die italienische Literatur eingegangen ist: „(...) Don Camillo war ein vollendeter Ehrenmann, besaß aber außer einer unbändigen Leidenschaft für die Jagd auch einen Zwillingsstutzen und herrliche Walsrodepatronen. Außerdem war das Jagdgebiet des Barons Stocco nur fünf Kilometer entfernt und stellte eine wirkliche Herausforderung dar.“

Dass die Jagdpatronen von Wolff & Co besondere Erwähnung fanden, sei laut Neubert-Preine ein Zeichen dafür, wie beliebt dies Munition über die Landesgrenzen hinaus bei Jägern gewesen war.

Weitere Führungen durch die Ausstellung „200 Jahre Wolff in Bomlitz“ sind am 17. November und am 12. Dezember geplant. Darüber hinaus können Gruppen Sondertermine vereinbaren (geschichtshaus@ kabelmail.de).

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