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EIBIA und Lohheide

EIBIA und Lohheide - Um die Hügelgräber

Bereits in der Bronzezeit war die Lohheide ein geeigneter Ort, um sich niederzulassen. Wasser war hier gut zugänglich, und die Flüsse Bomlitz, Böhme und Warnau waren als Lebensmittelquelle und natürliche Schutzgrenze ein wichtiger Vorteil für das Überleben und die Besiedlung.

Spuren dieser ersten Besiedlung sind heute noch in der Lohheide sichtbar: Die Hügelgräber in Borg und Benefeld sind rund 3.500 Jahre alt und ein Zeichen dafür, dass Menschen sich hier schon früh niederließen. Ein archäologischer Wanderpfad ermöglicht den Besuchern, sich weitere Hintergründe zu erschließen.

In den 1930er Jahren wurden die Hügelgräber in der Lohheide entdeckt und zum ersten Mal wissenschaftlich untersucht. Grabbeilagen, Urnenreste und Knochenbrand wurden gefunden, und auch wenn Hügelgräber in Norddeutschland nicht selten sind, waren sie damals eine örtliche Sensation. Im Wappen der Gemeinde Bomlitz ist heute ein Hügelgrab mit Urne dargestellt.

Wegen ihrer Größe wurden die Grabanlagen gelegentlich auch zu „Hünengräbern“, und kleine Legenden entwickelten sich. Der Sage nach erschuf z.B. der Riese Borg die Sieben Steinhäuser: Einen Stein schoss er mit einer Schleuder, andere schüttelte er aus seinem Mantel. Lohheider „Hünengräber“ und Sieben Steinhäuser passen zeitlich zwar nicht zusammen, die Sage hat hier aber sicherlich einen Ursprung.

Auch im Mittelalter war die Flusslandschaft Lohheide weiterhin ein attraktives Siedlungsgebiet. Die altsächsische Borger Burg war als Fluchtburg Rückzugsschutz für die Siedler und wird mit der Gründung des Klosters Walsrode in Verbindung gebracht. Auch sie ist gut erforscht und zeigt, welche Zivilisationsformen sich hier über Jahrhunderte etablierten.

Die Nutzung der Wasserkraft wurde schließlich zur Triebfeder der Region. Die Cordinger Mühle ist heute das Sinnbild für diese Entwicklung, die mit der Geschichte der EIBIA ein weiteres interessantes Kapitel bekam. In der Lohheide durchwandern Sie damit 3.500 Jahre eines offenen Geschichtsbuchs von Bronzezeit bis Neuzeit.

 

EIBIA und Lohheide - Arno-Schmidt-Pfad

Fünf Jahre lebte der ungewöhnliche Schriftsteller Arno Schmidt nach dem Zweiten Weltkrieg an der Cordinger Mühle. „Schwarze Spiegel“ heißt eine der Novellen, die in seiner Benefelder Zeit entstanden. Die Schauplätze der Handlung sind noch heute auf den Wegen erkennbar, die Arno Schmidt damals erwanderte. 

Vorbei am Sportplatz und den Benefelder Hügelgräbern befinden Sie sich bereits auf dem Areal des ehemaligen Pulverproduzenten EIBIA. Das rund 220 ha große Gelände mit mehr als 200 Gebäuden war zu Arno Schmidts Zeiten eingezäunt und gerade stillgelegt worden. Bis zu 7.000 Menschen arbeiteten hier noch wenige Monate vorher. Hat die eingekehrte verwunschene Stille den Schriftsteller inspiriert? Ob und wie ist Gegenstand von Interpretationen. Fest steht aber: Für Arno Schmidt gehörte diese geheimnisvolle Umgebung 1946 bis 1950 zum Alltag, der für einen nahezu mittellosen Schriftsteller schwierig war.

An der Warnau entlang führt Sie der Arno-Schmidt-Pfad zur Cordinger Mühle. 1408 wurde sie erstmals erwähnt, 1810 entstand auf den Grundmauern der vorhandenen Mühle das heutige Mühlengebäude, das in den 1980er Jahren von der Gemeinde Bomlitz saniert worden ist. Die Cordinger Mühle gehört zum Rundgang „Historische Gebäude in Bomlitz“.

Arno Schmidt lebte mit seiner Frau Alice im Gutshaus der Cordinger Mühle, das heute nicht mehr existiert. Mit 14 anderen Flüchtlingsfamilien fand das Ehepaar hier eine Unterkunft. Sein Blick aus dem Haus muss in dieser Zeit immer wieder auf Mühle und Müllerhaus gefallen sein. Und wenn es windstill war und in der Dämmerung hinter der Mühle die beiden Teiche lagen, sahen sie dann aus wie „Schwarze Spiegel“?

Um der Enge zu entgehen, erkundete Arno Schmidt mit seiner Frau die Umgebung, wann immer es ging. Er war hier für eine Weile zuhause und hatte eine wichtige Schaffensphase in seiner Zeit in Cordingen. Dennoch wäre Arno Schmidt wohl nie Benefelder geworden. Wer seinen Spuren auf dem Arno-Schmidt-Pfad folgt, lernt diesen bemerkenswerten Schriftsteller ein wenig besser kennen.

 

EIBIA und Lohheide Schöne Aussichten

44 Jahre lang hat das Gelände des ehemaligen Pulverproduzenten EIBIA einen Dornröschenschlaf gehalten. Hinter Werkszäunen entwickelte sich die Natur ungestört auf dem stillgelegten und demontierten Betriebsgelände und eroberte sich das Areal Schritt für Schritt wieder zurück. Erst 1989 wurde die EIBIA als Naherholungsgebiet geöffnet, nachdem sie im Auftrag der Gemeinde Bomlitz saniert und von allen gefährlichen Rückständen befreit worden war.

Das EIBIA-Gelände in Bomlitz ist mit 326 Hektar nur knapp kleiner als der Central Park in New York. Die allermeisten der über 300 Gebäude und rund 50 unterirdischen Anlagen wurden bis 1950 gesprengt. Die noch heute sichtbaren Relikte wirken wie Narben in der Landschaft, die an eine andere Zeit erinnern. Der hektischen Betriebsamkeit eines Industriebetriebs folgte die Stille ungestörter Natur.

So wurde die Lohheide durch die jahrzehntelange Sperrung zu einem einzigartigen Stück Natur mit besonderer Pflanzen- und Tierwelt. Die Gemeinde Bomlitz schützt das Gelände als Landschaftsschutzgebiet, denn die Vielfalt der unterschiedlichen Lebensräume ist hier die Grundlage für die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten.

Dichte Wälder, Flussauen, Wiesen und Heideflächen wechseln sich im Landschaftsbild ab. Gelegentlich wird das Bild von mittlerweile überwucherten Hügeln aus Überresten der gesprengten Betonbauten unterbrochen. Die Vogelwelt hat in der Lohheide ein besonderes Reservat mit ausgeprägtem Artenreichtum. Pflanzen finden hier geschützte Lebensräume, und neben Rehwild und den üblichen Waldbewohnern gibt es auch eine kleine Gruppe Mufflons, die vor Jahrzehnten ausgesetzt wurde und sich in der EIBIA nach wie vor wohlfühlt.

Schöne Aussichten und Blickwinkel gibt es hier an vielen Stellen. Ob mit Sicht hinunter ins Warnautal, auf die gesprengte Brücke, auf Hügelgräber oder entlang der Bomlitz, die Lohheide lädt zum Verweilen ein. Unwirklich fügen sich die Spuren der industriellen Nutzung in dieses Bild ein und machen die Natur hier zu einem besonderen Erlebnis. Selbst regelmäßige Besucher werden hier immer wieder Neues entdecken.

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