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Für die Natur sind Truppenübungsplätze Reservate

12/2016 - Bei den Naturaufnahmen, die Hinrich Eggers bei seinen vielen Besuchen und Begehungen der Truppenübungsplätze Munster und Bergen gemacht hat, vergisst man schnell, wofür das Gelände üblicherweise genutzt wird. Die militärische Nutzung ist allgegenwärtig, aber die Natur hat ungestört von menschlicher Zivilisation fast paradiesische Bedingungen. Tiere und Pflanzen entwickeln sich in einem vielfältigem Lebensraum, der auch seltene Vorkommen zulässt. Hinrich Eggers hat mit Freude und Liebe zur Natur jahrzehntelang diese Entwicklungen der Natur beobachtet und stellte sie in einem FORUM-Vortrag mit wunderschönen Fotos vor.

Walsroder Zeitung vom 14.12.2016: Wenn die Heide brennt. Kulturverein Forum Bomlitz zeigt Naturfotografie von Hinrich Eggers im Dorfgemeinschaftshaus.

Wer in diesen Tagen den Fotovortrag im Bomlitzer Dorfgemeinschaftshaus mitverfolgt hat, wird Hinrich Eggers unweigerlich als Naturfotografen bezeichnen. Wie problematisch der Begriff der Natur an und in sich aber ist, zeigten neben den Fotos der Truppenübungsplätze Bergen und Munster kurze Erläuterungen zur jeweiligen Aufnahme. Neben der technischen Qualität der Fotos war das indirekt programmatische Verdeutlichen unterschiedlicher Naturbegriffe eine Stärke des Vortrags.

Von Beginn an entwickelte sich eine Art inhaltliche Chronik der Wandlung des Naturbegriffs. In Bezug auf die Truppenübungsplätze, auf denen sämtliche der gezeigten Aufnahmen entstanden, bedeutet dies, das schon vor Beginn der militärischen Nutzung durch die jahrhundertelang ansässigen Landwirte großflächig eine vom Menschen intensiv genutzte – und damit allenfalls gestaltete – Natur vorlag. In diesem Sinn war viel eher vom fotografischen Zeugnis eines an Tieren und Pflanzen artenreichen Lebensraumes zu sprechen. Dazu tragen bis heute die aus Sicherheitsgründen eingerichteten, unbewohnten Pufferzonen am Rande des eigentlichen Schieß- und Fahrbetriebs bei.

So ist es in einer militärisch genutzten Fläche zu einem Artenreichtum gekommen, der in Europa heute seinesgleichen sucht und auf einen originären Naturbegriff verweist. An dieser Stelle nannte Eggers eine Flechtenform, die noch älter als die bekannten Farne sei. Abseits der Panzerfahrspuren fanden sich in den Aufnahmen verschiedene Heideformen, die vor allem in der Struktur voneinander abwichen.

Die vielseitige Flora steht nur bedingt im Widerspruch zur militärischen Flächennutzung. So wusste Eggers davon zu berichten, dass die Brände, die vom Einschlagsgebiet der Panzergeschosse ausgingen, kontrolliert dazu genutzt würden, die Heideflächen ständig zu verjüngen. Dies sei stets von der Feuerwehr begleitet. Die zusammenhängende fotografische Serie überraschte das Publikum.

Ebenso bemerkenswert ist, dass auch der artenreichste Lebensraum einem unbedachten Beobachter ein völlig anderes Abbild des Naturbegriffs liefern wird als einem äußerst geduldigen Fotografen wie dem pensionierten Lehrer Eggers, dem es gelang, die Birkhahn-Balz im Frühjahr zu dokumentieren. Es war diese Geduld und das gelungene sich anpassen an die Entwicklungsphasen von Flora und Fauna, die aus den Aufnahmen hervorstach. Eine Kreuzotter mit einer Jungschlange, der scheue Eisvogel, ein Seeadler aus bemerkenswerter Nähe, aber auch stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen mit schönem Licht- und Nebelspiel belegten das langjährige intensive Studium der Lebensräume auf den Truppenübungsplätzen. Die notwendige Ausdauer für eine solch dokumentarische Serie führte Eggers dankbar auf die Zeit mit seinem Großvater zurück, der ihn in den 1950er Jahren regelmäßig mitnahm und ihm Wald, Heide und Moor zeigte. Auch bei den vielen Fragen, die der Fotograf am Ende seines Vortrags beantwortete, standen diese Geduld und der hohe zeitliche Aufwand beim Entstehen der Fotoserie im Mittelpunkt. Das Publikum verfolgte den 90-minütigen Vortrag durchweg interessiert und spendete großen Applaus.

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