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Ameisen - die heimlichen Herrscher der Erde

05/2016 - In der FORUM-Vortragsreihe "Natur und Umwelt" berichteten Helma und Jörg Beck mit viel Wissen über die heimische Ameisenwelt. Weltweit sind derzeit über 13.000 Ameisenarten bekannt, und obwohl in Deutschland zurzeit nur ca. 140 davon leben, trifft man sie auch hierzulande überall an. Für die einen sind sie lästig, für die anderen sind sie die „Polizistinnen in der Natur“ und für das ökologische Gleichgewicht mitverantwortlich. Helma und Jörg Beck gaben beim FORUM Einblicke in die Sozialstruktur, Lebensweise und Wichtigkeit dieser besonderen Insekten.

Anders als Bienen leben die bekannten Ameisenarten nicht als selbstständige Einzeltiere, sondern als Teile eines Staates. Bernsteinfunde haben bewiesen, dass Ameisen seit über 130 Millionen Jahren in Staaten organisiert auf der Erde leben. So waren die Ameisen nicht nur Zeitgenossen der Dinosaurier, sondern haben auch deren Aussterben überlebt. Und so klein die einzelnen Tiere auch jeweils sind, wiegt ihre gemeinsame Biomasse mehr als die der gesamten Menschheit.

Allein in einem großen Nest von Waldameisen können mehr als eine Millionen Arbeiterinnen leben. Die Ameisenarten haben angepasst an die verschiedenen Lebens- und Klimabedingungen perfekte Überlebensstrategien entwickelt. Sie sind hervorragende Baumeister, verfügen über gigantische Körperkräfte und haben das Leben in einem Sozialstaat perfektioniert. Ursprünglich waren diese Insekten Jäger und Sammler. Über Jahrmillionen entwickelten sich Symbiosen: Sie wurden z.B. zu Pilzzüchtern wie die bekannten Blattschneiderameisen in Südamerika oder zu Tierhaltern wie unsere heimischen Waldameisen. Die halten sich z.B. Blattläuse wie Haustiere, schützen sie vor Gefahren und lassen sich dafür mit Pflanzensäften von ihnen belohnen.

Von den geschlechtlich aktiven Weibchen, die mit den geschlechtlich aktiven Männchen als geflügelte Ameisen gemeinsam zu einem Hochzeitsflug ausschwärmen, überleben nur die befruchteten Weibchen. Sie entwickeln sich zu Königinnen und haben in ihrem mehrjährigen Leben nur die Aufgabe, Eier zu legen. Sie sind damit die Mütter für alle Arbeiterinnen. In wachsenden Ameisenstaaten sind unter den Arbeiterinnen wiederum "berufliche" Spezialisierungen erforderlich. Manche pflegen Königinnen und Brut, andere werden Kundschafter, Krieger, Tier- oder Pilzzüchter.

So perfekt wie die Arbeitsteilung organisiert ist, sind die einzelnen Ameisen dennoch keine Individuen im Sinn von höher entwickeltem Leben. Sie sind Bestandteile ihres Staates und steuern das gesamte Gefüge nicht bewusst. Selbst die Königinnen sind dazu nicht in der Lage. Überwiegend gelenkt durch Duftstoffe organisiert sich der Ameisenstaat selbstständig über Schwarmintelligenz als ein Superorganismus und beeinflusst seine Umwelt vielfältig. Die Ameisen bauen Pflanzenmaterialien ab und verbreiten Pflanzensamen, regulieren als Räuber andere Insektenbestände und sind auch selbst Nahrung für andere Tiere. So kann allein der Specht bis zu 3.000 Waldameisen am Tag vertilgen, oder ein großes Waldameisenvolk an einem einzigen Tag bis zu 100.000 Beutetiere in sein Nest schaffen.

An der Lebenswelt der Ameisen können komplexe Zusammenhänge innerhalb der Ökosysteme mit vielfältigen Wechselbeziehungen und ihre Abhängigkeiten und Symbiosen untersucht werden. Überwiegend in den Tropen werden auch heute noch neue Arten entdeckt. Bedingt durch Zuwanderung infolge der Globalisierung und Erderwärmung werden wohl auch hierzulande neue Arten hinzukommen.

Referent Jörg Beck hat die behördliche Genehmigung, die geschützten hügelbauenden Arten bei Bedarf umzusiedeln. Er weiß, in welchen Zeiten die Ameisen weniger aktiv sind und wie  man sich kleiden muss, um sich die wehrhaften Tiere möglichst gut vom Leibe zu halten. Nach diesen Vorbereitungen gilt es für ihn und sein Team, zügig das ganze Ameisenvolk umzusiedeln. Dazu wird die Königin mit dem Entstehungskern des Baus, der meist aus einem starken Ast oder Baumstumpf besteht, in fest verschließbare Plastikbehälter verpackt. Das übrige Ameisenvolk wird samt dem Baumaterial eingeschaufelt und in Papiertüten gefüllt. Setzt man den Inhalt des Fasses mit der Königin am neuen Standort wieder frei und schüttet die mitgebrachten Ameisen aus den Papiersäcken hinzu, ist die Umsiedlung beendet. In Selbstorganisation entsteht wieder ein funktionierender Ameisenstaat, der anfangs noch mit Zucker angefüttert wird.

Wenn Ameisen nicht im Wald, sondern in Wohnungen oder auf Terrassen angetroffen werden, kann man auf Haushaltstipps zurückgreifen: Sie mögen den Geruch von Zimt nicht. Setzt man Zimtpulver (ohne Zucker) auf Ameisenstraßen ein, können sie gesteuert und ferngehalten werden. Ein Einsatz von Gift und "schweren Geschützen" ist nicht nötig und weniger effektiv.

Mehr zur Welt der Ameisen erfahren Interessierte auf der Website www.ameisenzentrum.de. Wer Herrn Beck bei einer Ameisenumsiedlung zuschauen möchte, kann sich den Film „Die geheime Welt der Ameisen“ ansehen, der in der NDR-Sendereihe „Naturnah“ entstanden und über die Mediathek des NDR abrufbar ist.

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