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Leben zwischen Überfluss und Hungersnot

02/2016 - Bislang ging es bei den FORUM-Vorträgen zu Natur und Umwelt um größere Wildtiere wie Biber, Fischotter oder Wölfe. In diesem Jahr sind mit zwei Insektenarten kleine Wildtiere auf dem Programm: Den Auftakt machte der Vortrag „Die Biene - eine bedrohte Nutztierart“ und zeigte, dass es bei diesem wichtigen ökologischen Thema nicht nur um Honig und Bienenwachs geht. Referent war Imkermeister Ingo Lau, der beim Niedersächsischen Institut für Bienenkunde in Celle für die Ausbildung der Berufsimker und die Beratung von ehrenamtlichen und professionellen Imkern zuständig ist.

Honigbienen sind Haustiere, die mit den Menschen leben und ein Wirtschaftsfaktor innerhalb der Landwirtschaft sind. Bienen behalten dennoch ihren natürlichen Wildtiercharakter, man kann sie nicht einsperren oder füttern wie andere Nutztiere. Für die Natur ist das unersetzlich wichtig: Ohne freien Bienenflug gibt es keine Bestäubung und keine Ernten. Die Bestäubung von beispielsweise tausenden Kirsch- oder Apfelbäumen im Alten Land wäre nicht möglich. 

Trotz ihrer Freiheit überleben die Honigbienen in der heutigen Natur aber nur durch die Pflegemaßnahmen der Bienenhalter: Sie werden zu blühenden Plantagen gebracht oder später zu blühenden Rapsfeldern. Danach wird es schwierig für die Bienen, die im kleinen Umkreis rund um ihren Bienenstock Wasser und Nahrung finden müssen. Selbst die helfenden Bienenhalter finden dann auf dem Land nicht mehr genug bienenfreundliche Gärten, Felder und Wiesen.

Es fehle in der heutigen Kulturlandschaften an blühenden Pflanzen während der Sommermonate, so Lau. Flächen mit Maismonokulturen würden keine Nahrung mehr bieten, angelegte Blüh- und Ackerrandstreifen blühten häufig schon zu früh, sonstige Äcker seien nahezu wildkräuterfrei. Gemäht würden Grünflächen zu oft und damit vor der Blütenentwicklung. Der Futtermangel in der Natur sei so dramatisch, dass die Bienen mitten im Sommer verhungerten. "In den Städten finden sie mittlerweile häufig die besseren Überlebensbedingungen", beschrieb der Fachmann.

Ingo Lau sieht die größten Gefahren deshalb auch nicht im schlechten Wetter, bakteriellen Erkrankungen, dem Parasitenbefall mit Varroamilben oder dem Chemiegebrauch in der Landwirtschaft. Gefährlicher sei der Futtermangel durch die Artenverarmung, die für alle Insekten eine Bedrohung darstellt. War früher für die Bienen nur der Winter eine echte Hungersnot, so gibt es sie jetzt auch im Juli und August. Ganz schlimm kann es für Bienen und andere Insekten kommen, wenn die wenigen blühenden Felder mit moderner Erntetechnik schlagartig abgemäht werden. Ganze Bienenvölker werden bei solchen Maßnahmen in kurzer Zeit erschlagen.

Biene Maja, Willi und ihre Freunde brauchen also Hilfe. "Jeder einzelne kann in seinem eigenen Garten für günstige 'Bienenbedingungen' sorgen", appellierte Hans Scheele vom FORUM am Ende des Vortrags. Das Thema lohne sich für einen gesonderten Naturthemen-Vortrag und würde im nächsten Jahr aufgenommen werden.

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