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Der Biber fühlt sich wohl an der Aller

10/2015 - Bis auf wenige hundert Exemplare war der Biber ausgestorben in Mitteleuropa. Unter strengen Artenschutz gestellt schaffte er es, entlang der Flüsse die alten Lebensräume wieder zu besiedeln. Auch an der Aller und ihren Nebenflüssen baut sich wieder eine Population auf, die aus Jungtieren auf der Suche nach eigenen Revieren besteht. Das FORUM Bomlitz hatte dazu die Referentin Anke Willharms eingeladen, die für die Aktion Fischotterschutz als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Allerprojekt Expertin für Biber ist.

Sobald Biber aus dem gefährlichen Kindesalter herausgewachsen sind, sind sie perfekt an das Leben im und am Wasser angepasst und haben kaum noch natürliche Feinde. Sie leben monogam in eigenen Revieren an Fließgewässern, die meistens zwei bis drei Kilometer lang sind. Zur Futtersuche entfernen sie sich nur selten weiter als zwanzig Meter von der Wasserkante. Biber wird man nur selten persönlich beobachten können: Sie sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv.

Biberdämme und überirdische Biberburgen sind nicht selbstverständlich. An tieferen Gewässern mit hohen Uferböschungen wie an der Aller können die Biber ihre Wohn-, Spiel- und Fluchtröhren in die Böschungen graben, so Anke Willharms. Dabei bleiben die Eingänge immer rund sechzig Zentimeter tief versteckt unterhalb der Wasserlinie, so dass sie nur tauchend erreicht werden können. Häufig bemerkt man den Lebensraum von Bibern deshalb auch erst, wenn die Röhren z. B. unter der Last von schweren Maschinen einbrechen. Auffällig werden Biber für den Menschen auch, wenn sie Schäden an Deichen oder Baumbeständen verursachen oder Biberdämme an für Menschen ungünstigen Stellen anlegen.

Biber sind mit einer Körpergröße von rund 125 cm und bis zu 30 kg Gewicht die größten Nagetiere Europas. Sie sind reine Vegetarier, die am liebsten Baumrinde und gelegentlich auch Feldfrüchte fressen. Um an Baumrinde zu gelangen, können sie ganze Bäume fällen: Sie nagen in der sogenannten Sanduhrtechnik rund um den Stamm und schaffen so, Bäume mit bis zu 15 cm Durchmesser in einer Nacht zu fällen, mit nachhaltiger Ausdauer auch größere Bäume. Die Kronenäste, von denen sie auch einen Wintervorrat anlegen, zerlegen sie anschließend, nagen die Rinde ab und schaffen sich gleichzeitig ihr Baumaterial.

Anke Willharms hatte schließlich Fell und Schädel eines Bibers und einen gefällten Baumstumpf zum "Begreifen" für die Gäste dabei. Hans Scheele vom FORUM bedankte sich mit Blumen bei der Referentin. Er freute sich, dass die Rückkehr von ehemals ansässigen und zwischenzeitlich vertriebenen größeren Tierarten wie beispielsweise vom Wolf, Fischotter und eben auch Biber besondere Naturereignisse seien, die ganz zu Recht von Experten mit wissenschaftlichen Methoden intensiv beobachtet werden würden. Ein Informationsabend wie dieser mit regionalem Bezug und anschließender Fragerunde, bei dem es um die Vermittlung von objektivem Wissen ginge, sei Fernsehbeiträgen oder Diskussionsrunden überlegen. In diesem Format werde das FORUM nach Beiträgen über die größeren Tiere im nächsten Jahr auch Vorträge über Bienen (18.02.2016) und Ameisen (12.05.2016) anbieten.

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