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Medizin als Ehefrau, Literatur als Geliebte

03/2017 - Der russische Schriftsteller Anton Tschechov lebte in einer literarisch besonders lebendigen Zeit. Seine Zeitgenossen waren Maxim Gorki oder auch Leo Tolstoi. Tschechov fand für seine Werke einen freundlichen Blick, mit dem er beobachtete, fein beschrieb, die Bewertung aber dem Leser überließ. Mehrere hundert Erzählungen, Novellen und auch Theaterstücke schrieb er, über die Genia Stammen aus Celle bei einem Literatur-FORUM berichtete. Dabei war Tschechov nicht nur Autor, sondern auch ein engagierter Arzt, der beide Disziplinen klug miteinander verbinden konnte.

"Die Dame mit dem Hündchen" oder "Die Möwe" sind wohl die bekanntesten Werke aus Tschechovs reichhaltigem Schaffen. Die Schriftstellerei ernährte ihn dann auch ausreichend, während er als Arzt eher ehrenamtlich, aber mit großer Neigung zu seinen Patienten arbeitete. Die Medizin sei seine Ehefrau, soll er gesagt haben, die Literatur seine Geliebte.

So besuchte Tschechov auch für längere Zeit die Gefangeneninsel Sachalin, wohin Verbannte gebracht wurden und dort Zwangsarbeit verrichten mussten. Tschechov legte für jeden der ca. 10.000 Einwohner eine medizinische Karteikarte an und registrierte sie. Seine Ergebnisse sind noch heute Gegenstand der Erforschung der Geschichte der Pazifik-Insel.

Die Referentin fand eine gute Mischung aus Biographischem und dem Vortrag von Kurzgeschichten, die nicht nur den Autor, sondern auch das Zeitkolorit des damaligen Russlands deutlich machte. Der besondere Lebensstil auch der gehobenen Klasse, Fahrten mit der Bahn durch das riesige Land, und kleine Marotten einzelner Charaktere bildeten den Rahmen von mehreren Geschichten, die Genia Stammen als Beispiele vortrug. Die Handlungen konnten dabei auf spektakuläre Effekte verzichten und bestachen dadurch, dass sich der Leser in den beschriebenen Erlebnissen wiederfinden konnte.

Abgerundet wurde der Autorennachmittag durch ein Probierangebot von russischem Sekt und Kaviar, der gerade von Tschechov in einigen Erzählungen besonders hervorgehoben wurde. Die Vorstellung des bedeutenden Schriftstellers soll der Auftakt einer Serie von weiteren Autorenvorstellungen im Literatur-FORUM sein.

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