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Von Bomlitz zum Nordpol: Abenteuer in der Arktis

03/2017 - Anne Kremer aus Bomlitz arbeitet als Wissenschaftlerin beim Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Ihr Arbeitsalltag besteht gewöhnlich aus Messwerten und den Analysen von Proben des Meeresbodens. Daraus ermittelt sie mit ihren Kollegen eine Prognose, wie sich das Eis der Polkappen und der Treibhauseffekt entwickeln. 2014 konnte Anne Kremer für das Institut mit dem Forschungsschiff Polarstern selbst in die Arktis fahren und erlebte mehrere Monate auf engem Raum mit unvergesslichen Eindrücken in einer unwirklichen Welt und unerwartet reichhaltiger Tierwelt.

Bevor man es erreicht, schwimmen tellergroße sogenannte "Pfannkuchenschollen" auf dem Meer als Vorboten für das Ewige Eis. Nach einigen Tagen Fahrt werden die Eisschollen größer, dicker und stabiler und bilden schließlich große Eisflächen, die wie Festland wirken. Die Polarstern kann sich dann als Eisbrecher noch einen Weg bahnen, aber auch das ist nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich.

Die Wissenschaftler gingen an verschiedenen Stellen vor Anker und ermittelten Daten: Biologen zählten und registrierten Tiere und Tierarten, Meeresgeologen untersuchten Eisalgen, Geologen machten mit einem Kastenlot Kernbohrungen auf dem Meeresgrund und Meteorologen analysierten Temperatur und Wetter. Alle gemeinsam suchten nach Rückschlüssen über die Entwicklung des Ewigen Eises.

Für Expeditionen und weitere Erkundungen standen dem Team ein Helikopter und ein Luftkissenboot zur Verfügung, so dass sich auch ein "Ausflug" zum geographischen Nordpol anbot. "Für die Forschung ist dieser Ort zwar nicht interessanter als jeder andere in der Arktis, aber die Gelegenheit wollten wir natürlich nutzen", so Kremer. Als sie Ende August den "Wohnort des Weihnachtsmanns" erreichten, mit dem auch prompt ein Foto gemacht wurde, herrschten im heimischen Norddeutschland Temperaturen bei 25 Grad. "Nach einigen Wochen auf dem Schiff bekam man schon Wehmut, wenn man Nachrichten von Zuhause bekam."

Gefährlich sei es bei der Reise und auf dem Schiff im Prinzip nicht, erläuterte Kremer, aber man dürfe die Risiken auch nicht unterschätzen und müsse sich an die Sicherheitsanweisungen halten. So würden bei "Landgängen" immer gesondert ausgebildete Eisbärwachen aufgestellt werden, die vor ungewollten Begegnungen mit den Tieren schützen. Nicht unterschätzen dürfe man auch den Seegang: Im arktischen Sturm müsse man sich schon immer wieder selbst sagen, dass das Schiff noch ganz andere Kräfte und Herausforderungen aushalten würde. Die starken Wellen dellten Transportcontainer ein, als wären sie aus Pappe. Und beim Auf und Ab des Schiffs musste man sich im Bett einkeilen, damit man nicht herausrollte. Der Respekt vor den historischen Polarforschern wie Fridtjof Nansen oder Alfred Wegener, die vor mehr als hundert Jahren noch mit Segelschiffen und Zelten die Arktis erforschten, ist in solchen Momenten besonders groß.

Ob sie wieder an einer Expedition teilnehmen würde, wurde die Referentin gefragt. Ein klares "ja". Vielleicht liegt es an der faszinierenden Weite, den Walen, Robben, Delphinen und Eisbären, die man in ihrer Heimat kennenlernen kann, oder dem Abenteuer, dass einen das Ewige Eis wohl nicht mehr loslässt. 

Am 22./23. April 2017 wird die Polarstern in Bremerhaven bei der Open Ship zu besichtigen sein. Der Eintritt ist frei, und Anne Kremer wird wahrscheinlich auch vor Ort sein, wenn "ihr" Schiff die Türen öffnet.

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