Aktuelle Seite: HomeAktuellesNachrichtenVorträgeArno Schmidt"Pharos" und "Die Insel" sind unerwartet Verwandte

"Pharos" und "Die Insel" sind unerwartet Verwandte

10/2018 - Als der junge Arno Schmidt noch Erzählungen als Geschenke für seine Frau Alice verfasste, war bereits erkennbar, wie talentiert er mit Sprache umgehen konnte. "Die Insel" war so ein Frühwerk, das 1937 ganz im romantischen Stil einer Abenteuergeschichte wie bei Jules Verne geschrieben wurde. Wenige Jahre später entstand vermutlich in Cordingen das düstere "Pharos oder von der Macht der Dichter", in dem der heute bekannte Arno Schmidt schon deutlicher erkennbar war. In der Reihe "Arno Schmidt les'n" stellten Dr. Wolfgang Brandes und Torsten Kleiber beim FORUM die beiden Texte vor.

Ein Bibliothekar bekommt auf einem Schloss den Auftrag, den Buchbestand zu ordnen und zu katalogisieren. Er lernt die Nichte des Schlossherrn kennen, die beiden verlieben sich ineinander und fliehen gemeinsam. "Die Geschichte war nicht für die Veröffentlichung gedacht", erläuterte Torsten Kleiber. Aber auch wenn es nur eine "Fingerübung" gewesen sei, erkenne man die Themen, die Schmidts Welt ausmachten: Bücher und eine einsame Zweisamkeit. "Die Insel" endet schließlich mit der positiven Utopie, das die Protagonisten in eine gemeinsame - einsame - Zukunft gehen.

Anders "Pharos": Fast wie bei Jack Londons "Seewolf" ist ein feinsinniger, wenig kräftiger Mann einer groben und übermächtigen Figur ausgeliefert. Der Protagonist versucht sich von ihm aus der beklemmenden Dienerschaft zu befreien, scheitert aber. Dabei stellt er fest, dass sein Widersacher belesen ist und eine kleine Bibliothek mit sich führt. "Auch hier", erläuterte Dr. Brandes die "Geschichte hinter der Geschichte", "geht es wie in 'Die Insel' um die Utopie, inmitten von Büchern allein zu sein mit der eigenen besonderen Welt." Der Unterschied sei aber, dass "Pharos" auf einer negativen Utopie basiere, während Einsamkeit und das Bücherumfeld den gleichen Handlungsrahmen wie "Die Insel" bieteten. "Das macht sie zu verwandten Texten, deren Analyse vieles zu Tage fördert", so Dr. Brandes weiter: Auch wenn es das Frühwerk sei, seien sowohl Arno Schmidts Handschrift deutlich als auch seine Entwicklung zu dem Schriftsteller, der heute so geschätzt werde. 

Die Lese-Reihe "Arno Schmidt les'n" wird in der Stadtbücherei Bad Fallingbostel zu Schmidts Geburtstag im Januar fortgesetzt. Dann wird es um "Enthymesis" gehen, das ebenfalls in der Benefelder Zeit von Arno Schmidt entstand. "Wir können nur empfehlen, Arno Schmidt selbst zur Hand zu nehmen und zu lesen. Er gibt gelegentlich Rätsel auf, aber die Suche nach der Lösung ist spannend und fordert heraus", freuten sich die beiden Organisatoren.

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