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Nachts um 1 Uhr stand er auf, um zu schreiben

11/2016 - Der Schriftsteller Arno Schmidt und seine Frau Alice lebten von 1946 bis 1950 in Benefeld auf dem Mühlenhof. Zwar liebte er die hiesige Landschaft. Die Lebens- und Wohnbedingungen waren aber in der unmittelbaren Nachkriegszeit so ärmlich und beengt, dass das Ehepaar nach Rheinland-Pfalz in eine größere Wohnung verzog. 1958 kamen Arno und Alice Schmidt schließlich wieder zurück in die Lüneburger Heide und bezogen ein kleines Haus in Bargfeld bei Eschede, wo der Autor bis zu seinem Tod 1979 lebte. Das FORUM besuchte das Arno-Schmidt-Haus mit einer Gruppe Interessierter.

Geführt wurde die FORUM-Gruppe durch die Stiftungsausstellung, das Wohnhaus und den Garten der Schmidts von Erika Knop, die ab 1967 Haushälterin bei Arno und Alice Schmidt war. Sie gab sympathische Einblicke in das Alltagsleben des Schriftstellers, der sich in Bargfeld - anders als vorher in Benefeld - ganz auf seine Arbeit konzentrieren konnte. In nach wie vor bescheidenen und einfachen Verhältnissen hatte das Ehepaar seinen Wohnraum ganz auf sein Schaffen ausgerichtet. Umgeben von Büchern gönnte sich der Ausnahmeschriftsteller kaum Pausen und stand bereits nachts um 1 Uhr auf, um ungestört zu recherchieren und zu schreiben. Alice Schmidt bewohnte das Obergeschoss, so dass ihr Schlaf von der nächtlichen Regsamkeit ihres Mannes nicht unterbrochen wurde.

Schmidt war in Bargfeld angekommen. Und so beschrieb Erika Knop den Autoren aus dem alltäglichen Miteinander heraus als humorvoll und freundlich. Auch wenn er zurückgezogen lebte, gehörte er zur Dorfgemeinschaft und war dort allgemein anerkannt. Frau Knop war für Schmidt das "Fenster zur Welt", und bevor sie ihre Arbeit begann, wurde sie regelmäßig gebeten, bei einem gemeinsamen Kaffee von Neuigkeiten aus dem Dorf zu berichten.

Für die Bomlitzer FORUM-Gruppe waren gerade diese Beschreibungen des Alltags und des persönlichen Umgangs von großem Interesse, galt Arno Schmidt für Zeitzeugen aus der Benefelder Zeit doch nicht nur als reserviert, sondern fast schon als feindselig gegenüber den Bewohnern des Mühlenhofs. So wurde für viele das eigene Bild vom Schriftsteller zum Besseren korrigiert und das Verständnis für Schmidts Situation in der Nachkriegszeit vertieft.

Dass Arno Schmidt Verbundenheit zu seiner Zeit in Benefeld empfand, zeigt ein beiläufiger, aber mittlerweile unübersehbarer Umstand: Als das Ehepaar den Mühlenhof verließ, nahm Arno Schmidt einen Setzling einer Weymouth-Kiefer aus der Umgebung in einem Blumentopf mit. Er hegte und pflegte den Setzling in allen Zwischenstationen, bis er ihn schließlich in Bargfeld vor seinem Haus einpflanzte. Heute ist die Kiefer ein stattlicher Baum, vor dem sich die FORUM-Gruppe zusammen mit Frau Knop (vierte von rechts) fotografieren ließ.

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