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"Ein Bahnübergang (die Schranken seidank hoch)"

10/2016 - Das Interesse am Schriftsteller Arno Schmidt und seinem Wirken ist erfreulich und unerwartet groß. Zur FORUM-Führung "Arno Schmidt in Benefeld - 1945 bis 1950" kamen fast dreißig Gäste, die Referent Torsten Kleiber mitnahm auf einen Spaziergang durch Benefeld. Mit der Novelle "Schwarze Spiegel" begaben sich die Literaturinteressierten auf eine Reise in die unmittelbare Benefelder Nachkriegszeit und folgten dem Protagonisten der Erzählung auf seinem Weg durch die Handlung der Geschichte.

Das ehemalige Gutshaus, in dem Arno Schmidt mit seiner Frau Alice rund fünf Jahre lang mit fast vierzig anderen Menschen einquartiert war, existiert leider nicht mehr. Es wurde in den 1980er Jahren baufällig und abgerissen. Heute ist an der Stelle, an der das Haus stand, der Parkplatz für Besucher der Cordinger Mühle. Trotzdem sind aus Zeitzeugenberichten, Aufzeichnungen und Akten glücklicherweise so viele Informationen zur damaligen Lebenssituation des Ehepaars Schmidt bekannt, dass die Zeit begreifbar erläutert werden kann. Und so konnte die Gruppe eine Reise in die Vergangenheit unternehmen und den Originalton des bedeutenden Schriftstellers als Reiseführer mit sich nehmen.

Denn egal ob in "Schwarze Spiegel", "Aus dem Leben eines Fauns" oder "Brand's Haide" - Arno Schmidt beschrieb die Schauplätze seiner Erzählungen so detailliert, dass es nicht schwierig ist, heute noch Orte zu finden und Beschreibungen nachzuvollziehen. Die Cordinger Mühle, der damalige Bahnhof in Cordingen, die Holzindustrie im heutigen Warnautal oder der Sportplatz der SG Benefeld-Cordingen spielen eine Rolle und werden in so vielen Feinheiten dargestellt, dass die Leser tief in die Geschichte gelangen.

Besonders nahm sich die Gruppe auf der Wegstrecke an der EIBIA-Filterstation Zeit für Schmidts Beschreibung eines fiktiven Luftangriffs auf die ehemalige Pulverfabrik aus der Novelle "Aus dem Leben eines Fauns". Der "Wortmetz", wie Schmidt seinen Beruf gern bezeichnete, stellte in bedrückend expressionistischer Weise eindrucksvoll die albtraumartigen Schrecken und die Brutalität einer solchen Hölle dar, die in Wirklichkeit glücklicherweise in Benefeld nie stattgefunden hat.

Eine solche Führung sei zu dem literarischen Wirken von Arno Schmidt nur eine Vorspeise, so Referent Torsten Kleiber vom FORUM. "Der Hauptgang ist auf jeden Fall, Arno Schmidt selbst zu lesen, sich auf ihn einzulassen und auf sich wirken zu lassen." Die drei Novellen, die in Benefeld und der Region spielen, seien dafür ein geeigneter Einstieg.

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