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Einblicke in den Alltag von Arno Schmidt erhalten

11/2015 - Arno Schmidt, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit, lebte von 1958 bis zu seinem Tod 1979 in Eldingen bei Celle. Nach fünf Jahren in Benefeld auf dem Cordinger Mühlenhof und einigen Zwischenstationen bewohnte er hier mit seiner Frau Alice ein kleines Haus im Ortsteil Bargfeld. Das FORUM fuhr mit einer kleinen Gruppe Interessierter zur dortigen Arno-Schmidt-Stiftung und bekam eine sehr persönliche und aufschlussreiche Führung. Einblicke in den Alltag des Schriftstellers gewährte Erika Knop, die seit den 1960er Jahren den Haushalt des Ehepaars Schmidt betreute.

Klein ist das Haus mit der überdachten Veranda, bei Führungen gerade einmal groß genug für höchstens acht Personen. Und beim Betreten macht man eine kleine Zeitreise in das Leben von Arno und Alice Schmidt in den 1970er Jahren. Das meiste ist noch erhalten wie damals. Ehrfürchtig betritt man die Räume, in denen man fast damit rechnet, den Meister höchst selbst anzutreffen.

Die beiden führten ein bescheidenes Leben, das Arno Schmidt voll und ganz in den Dienst seines Schaffens stellte. Fleißig und vor allem sehr diszipliniert arbeitete Schmidt nachts an seinen Texten und tagsüber an Übersetzungen oder Aufsätzen zum "Broterwerb". Das "Pensum" musste erfüllt werden, vorher gab der eigenwillige Autor nicht nach. Erst Herzprobleme zwangen ihn später, sich wenigstens nachts mehr Ruhe zu gönnen.

Schmidt umgab sich vor allem in seinem Arbeitszimmer, aber auch in seinen Wohnräumen mit dem Handwerkszeug, das er für seine Arbeit brauchte: Bücher, Nachschlagewerke, Enzyklopädien, Bildbände, besonders gern auch antiquarische Literatur, wo auch immer Platz dafür war. Bücher waren sein Schatz, seine Inspiration und sein Tor zur Welt, das ihm ermöglichte, seiner Leidenschaft so präzise und konzentriert nachzugehen, wie er es tat.

Das Bargfelder Heim war dabei seine Burg geworden, in der Arno Schmidt sich wohl fühlte. Wird er in seiner Benefelder Zeit als kauzig und reserviert bis unfreundlich beschrieben, lebte er in Bargfeld zwar zurückgezogen, gehörte aber zur Dorfgemeinschaft. Das Miteinander mit den Nachbarn war unauffällig, und Schmidt spendierte trotz eigener knapper Kasse auch zum Beispiel gelegentlich eine Kiste Bier an die Kameraden der Feuerwehr. "Es muss den ärmlichen Umständen direkt nach dem Krieg geschuldet gewesen sein", so Torsten Kleiber vom FORUM, "dass Schmidt in Benefeld nicht heimisch wurde und den Ort seines frühen Schaffens später auch nie wieder besuchte."

Im Arbeitszimmer liegen noch die Brillen des stark Kurzsichtigen, die Schreibmaschine wartet auf ihre Benutzung und auch die Zettel, aus denen er sein Großwerk "Zettel's Traum" entwickelte, sind in Zettelkästen, als wenn Arno Schmidt gleich wieder die Arbeit aufnehmen würde. Ein Gehirnschlag setzte dem Leben des Ausnahmeautors ein viel zu frühes Ende. 65 Jahre wurde er alt. Die Urnen mit seiner und der Asche seiner Frau sind beide auf dem Bargfelder Grundstück beigesetzt. Ein großer Verlust, dass dieser Autor nicht mehr Zeit hatte.

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