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Arno Schmidts "Zettel's Traum" auch in Bücherei

02/2011 - Arno Schmidt gehört zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Eines seiner besonderen Werke ist "Zettel's Traum", von denen die Gemeindebücherei Bomlitz ein Exemplar im Bestand hat. Groß, schwer, unhandlich und genauso schwierig zu lesen: In drei Spalten, die nebeneinander angeordnet sind, werden drei getrennte Themen beschrieben. Getrennt, aber irgendwie auch zusammengehörig. "Zettel's Traum" ist kein Buch, das sich als Gute-Nacht-Lektüre eignet. Jetzt ist "Zettel's Traum" neu verlegt worden in eine gesetzte Ausgabe. Wer die "normale" Ausgabe sehen möchte, muss in die Gemeindebücherei kommen. Für sie hatte die damalige FORUM-Gruppe "Arno Schmidt" ein Exemplar beschafft. 

 Walsroder Zeitung vom 29.01.2011:

Bargfelder Brocken - endlich bezwungen. Arno Schmidts Monumentalwerk "Zettel's Traum" liegt erstmals in einer gesetzten Ausgabe vor.

Immer wenn ein Roman nicht in der gewohnten Weise gesetzt ist, wenn also der Text nicht nur fließt, sondern auf einer Seite in mehreren Spalten aufgeteilt ist, sorgt das für Verwirrung. Das war etwa zu erleben, als Katharina Hackers Generationenportrait "Alix, Anton und die anderen" 2009 erschien oder auch bei J.M. Coetzees "Tagebuch eines schlimmen Jahres". Der südafrikanische Literaturnobelpreisträger hat die Erzählebenen seines 2008 veröffentlichten Buches optisch in drei horizontalen Spalten voneinander abgegrenzt.

Diese Romane sind eher schlicht konstruiert im Vergleich zu Arno Schmidts Monumentalwerk "Zettel's Traum". 1970 erschien Schmidts großformatiges, 1334 Seiten starkes Werk. Der Autor aus der Lüneburger Heide, geboren am 18.Januar 1914 in Hamburg, hatte seinen Text auf DIN-A3-Seiten getippt. Pro Blatt gibt es drei Längsspalten: In der mittleren wird die Handlung erzählt; die linke und die rechte geben Raum für Anmerkungen zu Edgar Allan Poe, Übersetzungen aus dessen Werken, Bemerkungen ganz allgemeiner Art. Es ist ein "mächtiger Klotz", "ein Brocken", schrieb die HAZ in der Rezension der Erstausgabe.

Die Handlung (der ältere Poe-Übersetzer Daniel Pagenstecher bekommt Besuch von einem befreundeten Ehepaar samt deren halbwüchsiger Tochter Franziska; Pagenstecher und Franziska verlieben sich ineinander, bleiben aber züchtig) steht nicht im Vordergrund. Ähnlich wichtig, wenn nicht gar entscheidender, sind die zahlreichen Verweise auf Poe und andere Autoren, auf die Psychoanalyse, auf Schreibtheorien ... es ist ein gigantisches Buch, voller Anspielungen, Abschweifungen und Erläuterungen.

Vor vierzig Jahren erschien "Zettel's Traum" nur als Faksimile. Ein Buch dieser Art, zumal die Spalten auch noch an vielen Stellen ineinander fließen, konnte zum damaligen Zeitpunkt nicht gesetzt werden. So wurden Schmidts getippte Seiten einfach vervielfältigt. Der Aura von "Zettel's Traum" tat das keinen Abbruch. Eher im Gegenteil. Schmidt-Anhänger wurden und werden nicht müde, das Opus Magnum des Autors zu preisen. Erst jetzt ist "Zettel's Traum" in einer gesetzten Version erschienen. Fast zwanzig Jahre lang hat der mehrfach ausgezeichnete Typograf Friedrich Forssman daran gesessen - sehr viel länger als Schmidt je daran schrieb.

In gleich drei textgleichen Ausgaben liegt das Werk nun vor: Als Standardausgabe in einem Band, als broschierte Studienausgabe in vier Bänden und als Vorzugsausgabe in einem Band - gedruckt auf Halbpergament und geschmückt mit vierfarbigen Faksimiles. Herausgeber sind Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach von der Arno-Schmidt-Stiftung in Bargfeld, veröffentlicht ist der neue "Zettel's Traum" im Suhrkamp Verlag. Dort erscheint die Werkausgabe, die sogenannte Bargfelder Ausgabe seit 2002; zuvor war Gerd Haffmans der Verleger.

Mit dem gesetzten "Zettel's Traum" sei die Bargfelder Ausgabe beendet, teilt die Schmidt-Stiftung mit. Ob sich an dem Abschlussband zahlreiche neue Leser heranwagen? Schmidt spaltet die Leserschaft wie kaum ein anderer Autor der Nachkriegszeit: Glühende Anhänger oder glühende Verächter - dazwischen gibt es kaum etwas.

 

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