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Die Cordinger Mühle war Zeugin schwieriger Zeiten

09/2018 - Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, aber gelegentlich sollte man so etwas in Erinnerung rufen: Das Leben auf dem Lande vor 100, 150 oder mehr Jahren bestand aus harter, lebenslanger Arbeit, und zwar um zu überleben. "Bei einer Dürre, wie wir sie in diesem Jahr bei uns gehabt haben, hätte es früher im Winter wahrscheinlich Hungersnöte gegeben", erklärte Torsten Kleiber vom FORUM beim diesjährigen "Tag des offenen Denkmals". Die Cordinger Mühle war über viele Jahrhunderte Zeugin dieses Lebens der Familien, die an der Cordinger Mühle gelebt und gearbeitet haben und auch gestorben sind.

Walsroder Zeitung vom 11.09.2018: Eine „alte Dame“ als Gen der Region „Tag des Denkmals“: Die Cordinger Mühle als Sinnbild für eine Jahrhunderte andauernde Entwicklung.

Jährlich am zweiten Sonntag im September öffnen am „Tag des Denkmals“ bundesweit verschiedenste Bauwerke ihre Türen, um den Menschen deren Geschichte und das kulturelle Erbe nahezubringen. Auch der Kulturverein „Forum Bomlitz“ engagierte sich vergangenen Sonntag an diesem besonderen Aktionstag und lud Geschichtsinteressierte in die Cordinger Mühle ein. Neben frisch gebackenem Butterkuchen und Brot aus dem angrenzenden Backhaus rundeten vor allem Führungen durch das traditionsreiche Bauwerk und ein Vortrag zum Thema „Menschen an der Mühle“ die Veranstaltung im idyllischen Ambiente an der Wassermühle ab.

Geprägt von den drei großen Flüssen Warnau, Bomlitz und Böhme, die allesamt durch die Bomlitzer Gemeinde fließen, nahm das Mühlenhandwerk schon immer Einfluss auf die Region. Insbesondere die Kornmühle in Cordingen mit ihrem Wasserrad ist heute wie damals eines der Sinnbilder des Heidekreises und blickt auf eine über 600 Jahre zurückreichende Geschichte.

Bereits im Jahr 1409 wurde die Mühle erstmals urkundlich erwähnt – auch wenn das Bauwerk damals noch woanders auf dem Gelände gestanden haben muss. Die Mühle, wie sie heute noch erhalten ist, stammt aus dem Jahr 1812. Trotz des wirtschaftlichen Risikos nahm die Familie Fuhrhop viel Geld in die Hand und wagte auf den Grundmauern einer bereits vorhandenen Mühle den Neuaufbau. „Da die Mühle heute noch komplett funktionstauglich ist, zeigt sie, wie das ländliche Leben damals war. Diese Technik, eingebettet in das landschaftliche Ensemble, macht sie zu einem besonderen Ort“, erzählt Torsten Kleiber vom „Forum Bomlitz“. „Die Tatsache, dass die Menschen für Mehl, das heute für 45 Cent zu kaufen ist, damals lange und hart gearbeitet haben, macht mich dankbar und demütig, dass ich an diesem Ort und vor allem zur heutigen Zeit leben darf.“

Untermalt durch musikalische Begleitung von der Forum-Flötengruppe und Jana Kleiber am Klavier lernten die Besucher an diesem Tag nicht nur die Arbeitsprozesse vom geschroteten Getreide bis hin zum fertigen Mehl kennen, sondern auch die gesellschaftlichen Umstände. So ist es beeindruckend, wie die bildungsfernen Müller-Familien ihr Handwerk beherrschten und mit den umliegenden Bauernhöfen geschickt Handel betrieben. Dabei diente die Mühle nicht nur als Arbeitsplatz, sondern auch als Ort für Verabredungen sowie zum Austausch von Neuigkeiten und Informationen. Sie war also auch das Zentrum des dörflichen Lebens.

Auch noch heute lassen sich Einflüsse des alten Handwerks im alltäglichen Leben finden: So sind die Sprichwörter „die Spreu vom Weizen trennen“ und „arg gebeutelt“ nur einige Überbleibsel der früheren Zeiten.

Neben dem Besuch der „Alten Dame“ Cordinger Mühle auf dem Gelände der Bomlitzer Gemeinde standen im Heidekreis ebenfalls die Türen der St.-Georg-Christophorus-Jodokus-Kirche in Stellichte offen. Dort hatten die Besucher die Möglichkeit, die prächtig ausgestattete Renaissancekirche zu erkunden.

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