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Ohne "gute LAFIBO-Geister" funktioniert es nicht

Man sieht auf der Bühne die Schauspielerinnen und Schauspieler, und was sie leisten, ist viel. Damit aber ein Stück auf der Bühne funktioniert, braucht es viele "gute Geister", die im Hintergrund und in der Vorbereitung Aufgaben übernehmen. Die Technik, der Bühnenbau oder auch die Regie gehören dazu, und ohne Maskenbildner bräuchte man ein Theaterstück auch gar nicht erst zu starten. In der Walsroder Zeitung wurden Vera Meyer-Dymny und Kathrin Holland-Krenz von der Theatergruppe LAFIBO im FORUM Bomlitz bei ihrer Arbeit begleitet.

 

Walsroder Zeitung vom 15.01.2014:

Auch ohne Rolle stets auf der Bühne präsent. Vera Meyer-Dymny und Kathrin Holland-Krenz arbeiten seit vielen Jahren als Maskenbildnerinnen bei der Theatergruppe "Lafibo".

Wer hat dieses Makeup zu verantworten? So würde doch wirklich niemand auf die Straße gehen. Das wollen die Schauspieler der Theatergruppe Lampenfieber Bomlitz (Lafibo) auch gar nicht. Sie zieht es vielmehr auf die Bühne. Kathrin Holland-Krenz und Vera Meyer-Dymny sorgen dafür, dass die Schauspieler im grellen Scheinwerferlicht auch gut zur Geltung kommen.

Sobald die Schauspieler aus dem „Off“ die Bühne betreten, kommt einem das Makeup nicht mehr zu dick aufgetragen vor, sondern geradezu dezent. „Das Licht schluckt viel“, liefert Vera Meyer-Dymny die Begründung. Grelle Farbtöne würden auf der Bühne verblassen, blasse Farben wie eine Haut aus Elfenbein erscheinen.

Erfahrung, Übung, Ideen – das alles ist vonnöten, wenn Vera Meyer-Dymny und Kathrin Holland-Krenz in der Maske die Schauspieler auf ihren Auftritt vorbereiten. Die Lichtverhältnisse von der Bühne lassen sich dort nicht darstellen, die Beleuchtung ist wie in einem Klassenzimmer. Deshalb ist die Generalprobe auch für die Menschen in der Maske entscheidend. Erst da zeigt sich, wo etwas Puder fehlt, weniger mehr ist oder der Lidstrich dünner gezogen werden muss.

Für Vera Meyer-Dymny und Kathrin Holland-Krenz, beide 49 Jahre alt, ist vor jedem Auftritt auch ein wenig Improvisationstalent gefragt. Der Schminkspiegel ist schon in die Jahre gekommen und zerkratzt. Dutzende fast aufgebrauchte Lippenstifte in allen denkbaren Farben liegen in Schachteln und Kisten herum. Farben, Lacke und Pinsel warten auf ihren Einsatz. Ein Außenstehender würde schnell den Überblick im kreativen Chaos verlieren. Aber nicht Vera Meyer-Dymny und Kathrin Holland-Krenz. Mit einem Griff haben sie die passenden Utensilien parat und verstehen es, Kajal, Rouge und Lipgloss geschickt in Szene zu setzen.

Gelernt ist gelernt. Kathrin Holland-Krenz hat im vergangenen November beim Stück „Nussknacker und Mausekönig“ ein Jubiläum gefeiert. Die Bad Fallingbostelerin ist bereits seit 30 Jahren bei „Lafibo“ und hat in dieser Zeit auch häufig vor dem Vorhang mitgewirkt. Immerhin sechs Jahre ist Vera Meyer-Dymny in der Gruppe aktiv. Ihre Bühnenerfahrung reduziert sich auf kleine Rollen als Bankräuber und Fabelwesen. „Es war schnell klar, dass ich nicht auf der Bühne stehen werde“, sagt sie. An mangelndem Talent habe das nicht gelegen, sondern daran, „dass ich nicht beides machen kann – Theater spielen und schminken. Und das macht mir mehr Spaß.“

Von Kindesbeinen an habe sie ein Faible für extravagante Verkleidungen und Aufzüge gehabt, verrät Meyer-Dymny. Im Kölner Raum groß geworden, sei sie ein Jeck aus Leidenschaft und Karnevalistin durch und durch. Das bestätigt auch Lafibo-Regisseurin Angela Kirchfeld: „Wenn sie ein mal nicht beim Kölner Karneval sein kann, ist sie ganz traurig.“

Es wirkt fast so, als würde sie sich zwischen zwei Welten bewegen. Zwischen der Großstadt Köln und dem kleinen Dorf Drögenbostel zwischen Neuenkirchen und Visselhövede, wo sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt. Zwischen der Karnevalshochburg und dem Heidekreis, in dem das närrische Treiben oft verpönt ist. Zwischen dem fröhlich-ausgelassenen Feiern und einer Arbeit, die Empathie verlangt.

Vera Meyer-Dymny ist ausgebildete Altenpflegerin und arbeitet mittlerweile im Seniorenservicebüro des Heidekreises in Walsrode. Die ehrenamtliche Mitarbeit in der Theatergruppe sei bereichernd, betonen die beiden Maskenbildnerinnen. Es gehe bei Lafibo familiär zu. Die Charaktere seien komplett unterschiedlich. Das bereichere. Und zu ernst werde es auch niemals, erzählen die beiden, während sie vor dem Kosmetikspiegel allerhand Faxen machen und dabei herzhaft lachen. Es sind vor allem ausgefallene Makeups, die einen Reiz auf die beiden ausüben. Die Wawuschels mit den grünen Haaren 2008 sei toll gewesen, sagt Vera Meyer-Dymny, „alle hatten so leuchtende Augen, das hat Spaß gemacht“. Ihre Familie habe sich einmal mithilfe von Heilerde beim Karneval als Urzeitmenschen verkleidet. „Der Schlamm war noch tagelang in den Poren“, sagt sie lachend. Gelohnt habe sich der Aufwand trotzdem. Die Kostüme hätten richtig gut ausgesehen, und sie habe damit den ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen. Ein 50-Liter-Fass Kölsch.

Einen Traum habe sie als Maskenbildnerin noch: ein Bodypainting. „Von der Fingerspitze über die Schulter bis zum Rücken habe ich schon mal eines gemalt“, sagt Vera Meyer-Dymny. Aber den gesamten Körper in stundenlanger, mühsamer Kleinarbeit kunstvoll zu verzieren – dieser Herausforderung würde sie sich gerne noch einmal stellen.

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