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Ein Meisterkonzert von Debussy bis Prokovjew

02/2018 - In der Klavierkonzertreihe "Be-Flügelt!" von Waldorfschule Benefeld und FORUM Bomlitz hatte Organisator Thomas Grunwald-Deyda den deutsch-ägyptischen Pianisten Karim Shehata zu Gast. Der Künstler stammt aus Verden, hatte unter anderem an der Musikhochschule Hannover studiert und ist nun in München tätig. Er präsentierte Stücke von Mozart, Debussy und Prokofiew und bescherte den Konzertbesuchern am über hundert Jahre alten Steinway-Flügel ein meisterliches musikalisches Erlebnis. Das Publikum im voll besetzten Pavillon der Waldorfschule war begeistert.

Walsroder Zeitung vom 27.02.2018: Ein „beflügelndes“ Meisterkonzert Von Debussy bis Prokovjew. Karim Shehata gibt Konzert in der Reihe „Be-Flügelt“ in der Waldorfschule Benefeld. 

Die Freie Waldorfschule (FWS) Benefeld und das Forum Bomlitz organisierten wieder ein Konzert in der Reihe „Be-Flügelt“. Der Pianist Karim Shehata spielte am Sonntag Klaviersonaten von Mozart, Debussy und Prokofjew im Pavillon der Schule.

Zu Beginn erklang Wolfgang Amadeus Mozarts „Klaviersonate Nr. 10 CDur“ KV 330. Schon der erste Satz, „Allegro moderato“, wurde von Shehata ganz locker und technisch perfekt gespielt. Die aufsteigenden Dreiklangsintervalle, die in einem verspielten Legato wiederholt werden, gefolgt von einem lyrischen Intermezzo, das schließlich in stimmungsvoller Chromatik ausklingt, waren ausdrucksvoll gespielt.

Der zweite Satz, „Andante cantabile“, ist eine Romanze in dreiteiliger Liedform, melodisch zwar einfach, aber dennoch voller Überraschungen in den melancholischen Modulationen. Das Finale, „Allegretto“, bietet eine Aneinanderreihung von Themen mit einer lyrischen Melodie in der Durchführung. Mozart war Anfang zwanzig, als er im März 1778 mit seiner Mutter nach Paris kam. Wie aus den Briefen an seinen Vater ersichtlich ist, lebten sie in ärmlichen Verhältnissen, die Mutter erkrankte und starb im Juli desselben Jahres. Außer im reflektiven, melancholischen Mittelteil des „Andantes“, lässt die Sonate nichts von diesen schwierigen, tragischen Ereignissen in Mozarts Leben erkennen.

Es folgten Claude Debussys „Images I & II“ (1905/1907-08), die der Komponist als Höhepunkt seines bisherigen Schaffens betrachtete. Im „Reflets dans l’eau“ sind es die Elemente Wasser und Licht, für die Debussy die sieben Töne der Des-Dur-Skala als Symbol für das Wasser und dreitönige Motive für das Licht einsetzt.

„Hommage à Rameau“ ist eine fast melancholische Meditation über die Formen der vorklassischen Zeit. „Mouvement“ dagegen ist modern, mit rhythmischer Kraft, rauschenden Triolen, faszinierend, schon fast bizarr oder grotesk. Debussys „Images II“ beginnt mit „Cloches à traver les feuilles“, das heißt, das Geläut der Glocken wird durch Blätter gefiltert in komplexen Themen und in tönenden Schichten dargestellt, mit rieselnden Figuren in der rechten Hand über expressiven Vorhalteakkorden in der linken.

Der Schlussteil wiederholt die Themen und verklingt mit einem Akkord, der an den Anfang zurückführt. Der nächste Satz „Et la lune descend sur le temple qui fut“ ist mehr als eine Mondscheinfantasie, es ist eine Vision aus vielen kleinen Mosaiksteinen, teils mit feierlichen Dreiklängen und dreitönigen Verbindungen aus Sekunden, Quarten und Quinten, dazu pentatonische Figuren, die an fernöstliche Musik erinnern. Der dritte Satz „Poissons d’or“ bietet mehr als die klangliche Beschreibung eines Aquariums mit Goldfischen; er hat eine Dynamik und ekstatische Ausdruckskraft, die das gesamte Klangfeld des Klaviers nutzt und dem Pianisten einiges abverlangt.

Sergej Prokovjews viersätzige „Zweite Klaviersonate d-moll op.14“ bietet ganz neue Klangvariationen, mithilfe derer die Themen deutlich herausgestellt werden. Im ersten Satz sind es drei Themen, die zunächst einzeln und danach kompositorisch so verschlungen zu hören sind, dass sie großes technisches Können erfordern. Das Scherzo ist fröhlich, aber mit starkem Ausdruck, gefolgt von tiefen, ernsten Empfindungen des langsamen dritten Satzes, „Andante“. Im „Vivace“ sind es ostinate Rhythmen, toccatahafte Phrasen, eine Erinnerung an das lyrische Thema des ersten Satzes, aber auch humorvolle Töne – insgesamt eine beeindruckende Sonate, mit ganz neuen kompositorischen Ideen.

Ein spätromantisches Werk voller Emotionen, sowohl sentimental als auch dramatisch. Das Programm des Konzerts war eine große Herausforderung sowohl für die Zuhörer, als auch für den Pianisten. Shehata meisterte diese große pianistische Aufgabe mit technischem Können, starker Ausdruckskraft und gleichzeitig großer Sensibilität. Die Zuhörer belohnten ihn zu Recht mit lang anhaltendem Applaus – es war ein wahrhaft beflügelndes Meisterkonzert.

Dr. Waltraud Proescholdt

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