Aktuelle Seite: HomeAktuellesNachrichtenEIBIA und OrtsgeschichteMan kennt Grabstätten, aber wo war die Siedlung?

Man kennt Grabstätten, aber wo war die Siedlung?

11/2016 - Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft Heidekreis ist zwar ein ehrenamtlicher Verein, macht aber professionelle Arbeit: Wenn bei Bauarbeiten oder in anderen Situationen Spuren frühzeitlicher Besiedlung gefunden werden, werden sie gesichert, freigelegt und dokumentiert. Die Region rund um Bomlitz ist in dieser Hinsicht ergiebig, und Hügelgräber keine Seltenheit. Besonders bekannt sind die Hügelgräber in der Borger und Benefelder Lohheide. Beim FORUM erläuterte Dirk Hering, Beauftragter für Bodendenkmäler im Südkreis, den Stand der Kenntnisse. 

Tätig werden die Grabungstechniker, wenn z.B. Tiefbauarbeiten anstehen und dabei ein archäologischer Fund gemacht wird. In einem solchen Fall werden die berechtigten Interessen abgewogen: "Sofern keine besonderen Gründe vorliegen, den Fund höher zu bewerten, wird er so schnell wie möglich freigelegt und dokumentiert, um dem Baufortschritt nicht im Weg zu stehen. Man muss sich aber im Klaren darüber sein: Eine Ausgrabung bedeutet immer die Zerstörung des Bodendenkmals."

Denn im Laufe der Jahrtausende sind von den Siedlungsspuren und Grabstätten oft nur noch unterschiedlich farbige Erdablagerungen zu finden. Fundstücke werden häufig nur von der verdichteten Erde zusammengehalten und zerfallen, sobald man sie geborgen hat. Daher werden oft ganze Erdblöcke herausgeschnitten, in denen Funde erwartet werden, die dann in der Grabungswerkstatt mit besseren technischen Möglichkeiten untersucht und bearbeitet werden. Hier liegt ein Dilemma der regionalen Archäologie: Gräbt man aus, wird das Bodendenkmal zerstört. Belässt man es in der Erde, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der hiesige kalkarme Boden wichtige Spuren wie z.B. Knochen quasi "aufsaugt".

Auf der Landkarte der Bomlitzer Region sieht man einige bisherige Fundstätten von Hügelgräbern. Und da in Hügelgräbern nur höher gestellte Personen bestattet wurden, gibt die hohe Anzahl Grund zur Vermutung, dass es auch siedlungsähnliche Strukturen aus der Bronzezeit gegeben haben muss. "Für eine solche Siedlung haben wir noch keine Hinweise gefunden. Aber ein einziger Zufallsfund könnte verursachen, dass die bisherige Interpretation der Geschichte von vor rund 4.000 Jahren neu geschrieben werden müsste."

Funde aus der Region werden im Museum der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft in Bad Fallingbostel ausgestellt, das einen Besuch wert ist. Unter anderem ist hier der Benefelder Leichenschatten ausgestellt, der 2012 in der Lohheide entdeckt wurde: Nach dem kompletten Zerfall eines Leichnams in einer Grabstelle bleiben die Knochen übrig, die im Erdreich markante Reste hinterlassen, die sich farblich abzeichnen. Anhand dieser Färbungen erkennt man die ehemalige Lage und die Umrisse des Körpers mit Haupt, Rumpf und Gliedmaßen. Beim Benefelder Leichenschatten ist der Verstorbene klar zu sehen und hinterlässt damit eindruckvolle persönliche Spuren. 

Was würde wohl in 1.000 Jahren von uns aus der heutigen Zeit archäologisch zu finden sein? "Vor allem Kunststoffgegenstände und Plastikmüll wird die Zeit überdauern und ein deutliches Bild unserer heutigen Zivilisationskultur ermöglichen", erläuterte Dirk Hering. Und vielleicht wird dann der später einmal spektakuläre Fund eines Plastikbehälters Vorlage für ein Ortswappen - so wie eine Graburne, die in den 1970er Jahren gefunden wurde, Bestandteil des Bomlitzer Gemeindewappens geworden ist (siehe Foto).

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